Christel und die "Arschseife"

Christel und die Arschseife - Winter 2004

Als ich morgens zum Dienst komme, steht Christel schon im Bademantel auf dem Wohnbereichsflur und freut sich sichtlich, gleich von mir, einem 20 jährigen jungem Pfleger, gebadet zu werden. Christel ist etwas 85 Jahre alt und ihr Leben lang Raucherin. Entsprechend ist ihre Haut viel faltiger, als man es von anderen Frauen in ihrem alter kennt. Christel hat ihr Leben auf dem Feld verbracht, immer umgeben von mehr Männern als Frauen. Es war für sie immer absolut notwendig, sich gegen das starke Geschlecht durchsetzen zu müssen und so ist es nicht verwunderlich, dass einem nur die Ohren so wackelten, wenn die 85 jährige den Mund aufmachte. Und so empfang Sie mich auch heute mit dem Satz „So, heute wird die Punz aber richtig gewaschen“. Ich merke wie meine Ohren rot werden, ich aber versuche mir nichts anmerken zu lassen. Ich schnappe mir drei Handtücher und zwei Waschlappen vom Bettenwagen und gehe ins Pflegebad. Der klackernde Krückstock verrät, dass Christel schon hinter mir steht. Ich beuge mich über die Badewanne und lasse das Wasser ein. Ich kann mich gar nicht so schnell wegdrehen, wie ich einen Klapps von Christel auf den Hintern bekomme. "Das geht so weit“, sage ich mit einem Augenzwinkern zu ihr. „Na man wird doch wohl nochmal etwas frisches Fleisch anfassen können“, entgegnet die sichtlich erfreute alte Dame, woraufhin ich mich mit einem Lächeln bei ihr bedanke.

Fünf Minuten später ist die Wanne voll und Christel in der Wanne. „Na, so eine attraktive Frau hast schon lange nicht gesehen oder? Weißt du eigentlich, dass man auf alten Fregatten das Segeln lernt?“ Fragt mich Christel mit einer Menge Schaum im Haar. Ich bin wenig schlagfertig und weiß daher nicht was ich darauf sagen soll und so gebe ich ihr die Duschbrause in die Hand und sage, dass sie sich jetzt die Haare waschen kann. Hierauf entgegnet sie, dass ich dafür doch da sei. Recht hat sie ja und so schnappe ich mir die Brause und wasche ihr den Schaum von den Haaren. „So nun gebe mir mal die Seife aus meiner Bademanteltasche“ ein kleines altes Stück gelbbrauner Kernseife „Das ist meine Arschseife“ schreit mir Christel entgegen. Auch die Stimmenstärke muss von den vielen Jahre der Arbeit auf dem Feld geprägt sein. Die Frage, was sie mit Arschseife meint, klärt sich recht schnell auf, als sie anfängt sich mit der Seife den Hintern zu waschen und anschließend das sichtlich in Mittleidenschaft gezogene Stück Seife, sich in den Anus steckt. Sprachlose stehe ich neben der Wanne. Nicht wissend, ob ich mich ekeln soll oder Christel dafür bewundere, dass sie überhaupt noch so gelenkig ist, um diese doch sehr fragwürdige Methode der innerlichen Reinigung durchzuführen. „Guck nicht so, so kann ich besser kacken, dann flutscht es besser“. Sagt Christel mit dominanter Stimme. 10 Minuten später ist es vollbracht, Christel ist abgetrocknet und steht provokant im geöffneten Bademantel, ihre Hände vor ihr auf dem Krückstock ruhend, vor mir und sagt: „So mein Jung, nun hast du mich nackt gesehen und jetzt bin ich an der Reihe, also Hose runter“. „Heute nicht, ich muss jetzt noch zu Getrud“ sage ich ihr mit einem Lachen und verlasse das Pflegebad. „Eh das ist nicht fair“ Ruft die alte Frau mir lachend hinterher.

Noch heute, 20 Jahre später, muss ich oft an diese Frau, ein wahres Unikat, denken. War Sie doch einer Derer, die meinen Einstieg in die Pflege begleitet und auch ein Stück geprägt haben. 

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